Lebensstile in der Krise – Teil1

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Gärtner, Aussteiger,  Nestbauer

Postmoderne Krise
Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Tomory_dodge_2.jpg?uselang=de-at

Wir leben in einer Generation, der es – im Vergleich zu unseren Vorfahren – so gut geht wie noch keiner. Trotzdem sieht sich die Gesellschaft, die in den Neunzigern noch immer höher, weiter hinaus wollte, immer schneller immer mehr wollte und auch wurde, nun einer neuen Situation gegenüber.

In den 90er-Jahren ging es noch darum, wirtschaftlich erfolgreich, mobil zu sein, sich nicht festlegen zu lassen, keine festen Bindungen einzugehen und flexibel zu sein. Egoismus war angesagt. Das ist – so meinen Zukunft-, Trendforscher und Soziologen – seit dem 11. September 2001, spätestens seit der Wirtschaftskrise vorbei (Das neue Wir-Gefühl ).  Wir wollen maximal Soloing, aber nicht Egoing.

Die Nuller-Jahre waren die für viele westlichen Gesellschaften die Zeit einer seelischen, ja moralischen Krise. Die Business-Getriebenheit der Neunziger, in denen es dem Einzelnen darum ging, Teil einer Wohlstandsgesellschaft zu sein oder zu werden, wurde abgelöst durch nicht-wirtschaftliche Fragestellungen und Bedrohungen. Terrorismus, Globalisierung, Europäisierung, all diese Fragestellungen ließen sich allein durch die unsichtbare Hand von traditionellen Ökonomen und liberales Wirtschaften nicht lösen.  Man fragte sich, wovor man Angst haben sollte; was richtig war und was falsch. Und als dann gegen Ende der Nuller-Jahre durch die Pleite der Lehmann-Brothers 2008 die Wirtschaftskrise eingeleitet wurde, begann man sich die ehemalige Austeiger-Generation immer mehr nach dem eigentlichen Lebenssinn zu fragen.

Mit dem Niedergang ganzer Blasen-Ökonomien, von Banken und damit auch privaten Investitionen, erhielt die Krise nochmal eine neue Qualität. Sie ging über in eine ökonomisch-finanzielle, die von Arbeitslosigkeit, Bankenpleiten und Staatsschulden gekennzeichnet war und schließlich in einer Eurokrise endete.  Weg von Verdienen hin zum Bewahren.  Sparen, Nestbautrieb, etwas von Wert schaffen, Halt finden und Teil einer funktionierenden Gemeinschaft sein, wurde erwünscht, erhofft, ja hip.

Zwei Drittel der Deutschen möchten, so einer Befragung der Stiftung für Zukunftsfragen zu folge,  in einer Sozialgesellschaft leben. Dagegen ist die Wohlstandsgesellschaft, die sich 38 Prozent vorstellen können, abgeschlagen.

Um uns herum spielt die Postmoderne Krise.  Welche Lebensstile finden wir als Antwort?

Damit beschäftigt sich die Serie „Lebensstile der Krise“, zu der noch einige Beiträge folgen werden.

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