Meret Oppenheim im Kunstforum

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„Man verlangt von allen Frauen, dass sie Engel seien.“ 

Meret Oppenheim

 Meret Oppenheim (1913–1985) ist für mich eine der eigenwilligsten Künstlerinnen überhaupt und eine der herausragenden Frauenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sie war skandalumwittert, die Muse großer Künstler und bereits in jungen Jahren eine berühmte Vertreterin des französischen Surrealismus. Bereits als Jugendliche hatte sie Traumaufzeichnungen geführt und war aufgrund ihres non-konformen, auffälligen Verhaltens von ihren Eltern zu C.G. Jung geschickt worden. 

CGJung Brief über Meret Oppenheim

 Und das hatte der große Analytiker über sie zu berichten:

„Ich glaube nicht, dass der Fall allzu schlimm liegt. Sie scheint durch den Zusammenstoß mit der Welt einiges gelernt zu haben und es ist nicht einzusehen, warumdiese Kenntnis sich nicht im Lauf der Zeit noch erheblichverteifen sollte. Ich habe gar nicht den Eindruck, als ob irgendeine neurotische Komplikation dabei vorläge. Das künstlerische Temperament einerseits und die jugendliche Desorientiertheit eines Zeitalters, das die Vernünftigkeit des 19.Jahrhunderts wettmachen muss, sind wohl genügende Erklärung für die Unkonventionalität des Standpunktes. Ich habe auch den Eindruck, dass der Kampf der Realitäten dei der natürlichen Intelligenz Ihrer Tochter in wenigen Jahren einen Ernst hervorbringen wird, welcher auf eine genügende Anpassung an die Mächte der Wirklichkeit hoffen lässt.“

 Meret Oppenheim bemerkt dazu auf dem Brief: “ Ich fand den Nachmittag bei ihm sehr angenehm. Er sagte inter anderm: “ Man verlangt von allen Frauen, dass sie Engel seien.“ (sehr richtig!)

 Die Unkonventionalität des Standpunktes

Armes, verwirrtes Mädchen! Werfen wir doch einen näheren Blick auf Ihre Aufzeichnungen als Jugendliche um uns dieser so genannten Unkonventionalität des Standpunktes zu nähern.

Meret Oppenheim schreibt zum Beispiel in ihr Notizheft:

„Es fängt bei scheinbar Äusserlichem an. Bei den Künstlern ist man es gewöhnt, dass sie ein Leben führen, wie es ihnen passt. Und die Bürger drücken ein Auge zu.

Wenn aber eine Frau das Gleiche tut, dann sperren sie alle Augen aus. Das muss man in Kauf nehmen. Ja, ich möchte sogar sagen, dass man als Fraudie Verpflichtung hat, durch seine Lebensführung zu beweisen, dass man die Tabus, mit welchen die Frauen seit Jahrtausenden in einem Zustande der Unterwerfung gehalten wurden, als nicht mehr gültig ansieht.

Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie nehmen.“

Notizheft Oppenheim Und genau hier beginnt Meret Oppenheims Werk. Beim Sich-Nehmen dieses Rechts und dieser Freiheit.

Ich kann nicht behaupten, ich hätte einen direkten Bezug zu allen ihren Stücken. Ihre Gedichte und Plastiken finde ich zum Beispiel rundaus gelungender, sprechender und dramatischer als ihre Zeichnungen und Bilder.

Aber gerade dieses ständige Hinterfragen von gesellschaftlichen Normen und Aushandlungsprozessen macht sie als Person für mich sehr interessant.

Die Ausstellung im BA/CA Kunstforum geht noch bis 14.7.2013.

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  • Wann:  tägl. 10.00 – 19.00 Uhr, Fr. 10.00 – 21.00 Uhr
  • Wo: Bank Austria Kunstforum, Freyung 8, 1010 Wien
  •  Wie viel: max. 9€

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